Was ist Coaching? Interview mit Matthias Möller

 


Interview mit Matthias

Möller

Herr Möller, Sie sind

seit 1994 selbstständig

als Coach tätig, was

bewirkt Coaching, was

ist das Ziel der

Menschen die zu Ihnen

kommen? Haben die

Gründe aus denen

Menschen kommen

sich geändert?

Matthias Möller: In den

ersten Jahren kamen

Menschen sehr viel

stärker mit Zielen. Man

muss sich an die Zeit

erinnern. Damals in

Zeiten des Neuen

Marktes erschien alles

möglich. Buchtitel wie „In

kurzer Zeit zum

Millionär“ oder Titel wie „

Durch Positives Denken

zu Erfolg und Glück!“

waren nicht nur

Versprechen für einige

„Gläubige“, sondern

lagen damals im

gesellschaftlichen Trend,

verursacht durch

Hoffnungen auf die neuen

Möglichkeiten. Dabei gilt,

was Goethe einmal

sagte“

„Was ihr den Geist der

Zeiten heißt,

Das ist im Grund der

Herren eigner Geist,

In dem die Zeiten sich

bespiegeln.“

Natürlich war da nicht

alles falsch, ein bisschen

mehr Optimismus und

Hoffnung täte den

Menschen heute gut.Damals kamen sehr viele

Klienten mit

Karrierezielen, Ziele im

Sport, finanzielle Ziele,

Gesundheitsziele und

ähnliches. Schon in alten

buddhistischen Methoden

natürlich auf spiritueller

Ebene heisst es, dass es

besser ist positive

Vorstellungen eines

spirituellen Zieles zu

entwickeln, als nur mit

einer negativen

Motivation zu arbeiten.

Die Methoden, mit denen

ich bis heute arbeite sind

da hochwirksam. Sofern

Ziele realistisch waren

und ökologisch, also für

den Klienten gut im

weitesten Sinne lässt sich

viel bewegen. Es gab

auch absurde Ziele, hier

muss man mit

hochwirksamen

Methoden sehr sorgfältig

sein. Die übersteigerten

Visionen liessen sich

dann aber den wahren

Bedürfnissen der Person

angleichen.

Und aus welchen

Problemen kommen

Menschen heute zu

Ihnen?

M.M.: Nun, da ist oft ein

hoher Leidensdruck.

Beziehungen die

zerbrechen, Mobbing,

Einsamkeit,

gesundheitliche

Blockaden,

Ausweglosigkeit Ängste

und Melancholie.

Anfangs in den ersten

Jahrzehnt ging es

entweder um Ziele im

Beruf, Beziehungen,

Sport usw. und heute

geht es oft um alle

Lebensbereiche

gleichzeitig in denen

verdunkelnde

Erfahrungen gemacht

werden, ein ganzes

System an Blockaden

und Problemen , indirekt

dann natürlich um Wege

aus der Krise, Lösungen,

neue Strategien und /

oder neue Sichtweisen.

Welches Angebot

können sie den

Menschen machen?

Kürzlich las ich über eine

Studie von

Verhaltensforschern. Sie

entdeckten, dass Tiere

überraschend schnell

lernen können. Niemand

hat das zuvor erforscht.

Man hat immer mit

Belohnungsreizen

geforscht. Die Maus

konnten neues Verhalten

lernen, zum Beispiel das

Auffinden von Käse in

einem Labyrinth. indem

das Tier eine Belohnung

bekam. Was aber

passiert, wenn man dem

Tier kein kleines Stück

Käse gibt, sondern ein

riesiges Stück. Mäuse

konnten plötzlich an

einem Tag lernen, was

vorher einige Wochen

gebraucht hat.

Als ich ein Praktikum in

einem Kinderheim

machte, wurden dort zur

Motivation

Gummibärchen

eingesetzt. Räumte ein

Kind sein Zimmer auf,

bekam es ein winziges

Gummibärchen. Ich

schenkte den Kindern

eine Tüte oder verbrachte

eine Stunde Zeit mit

Ihnen. Bei mir räumten

sie im Gegensatz zu den

erfahrenen Erziehern auf.

Genau da setzen einige

Methoden an, mit denen

ich arbeite. Es geht

darum zumindest

schnelle Lernschritte und

leichte Veränderungen

zum Besseren erfahrbar

zu machen. Starke

Erfahrungen können

schnelle Veränderungen

bewirken. Dabei ist es

egal, ob diese

Erfahrungen in unserem

Bewusstsein stattfinden

oder in der Realität. Es

geht nicht um ein oder

mehrere Gummibärchen,

es geht um die Erfahrung

positiver innerer

Eindrücke. Natürlich gibt

es auch andere

Methoden, die auf andere

Weise und anderer

Grundlage umlernen

ermöglichen. Eingebettet

muss dies in die Fähigkeit

zum Zuhören, zu Respekt

und zur Vermittlung von

Gelassenheit sein.

Die obige Mäuse-

Geschichte zeigt ja, wie

unser Bewusstsein sich

blockiert, das gilt kollektiv

- wenn ich davon

ausgehe, das Tiere nur

langsam lernen können,

werden Wissenschaftler

die eigentlich

ergebnisoffen sein

sollten, nie neue

Möglichkeiten dieser

Tiere und der Natur

wahrnehmen und

erforschen. Das

begrenzte Bewusstsein

hat hier der

Wissenschaftler und nicht

die Maus. Wenn ich

davon ausgehe dass

mein Leben immer

schwierig sein wird, das

ich nicht neue

Einstellungen und

Verhalten entwickeln,

kann, werde ich nicht

neue Möglichkeiten für

mich realistisch halten.

Als die Mitbrüder des

Heiligen Franz von Assisi

einmal traurig waren und

dies bösen Geistern

zuschrieben, riet er Ihnen

sich auf die Schönheit

von Gottes Schöpfung zu

besinnen, dies vertreibe

die bösen Geister. Nur

gelingt dies in Krisen oft

nicht. Es geht in meiner

Arbeit nicht darum,

Menschen Ratschläge zu

geben oder sie zu

positiven Gedanken

aufzufordern, es geht

darum neue Gefühle,

Gedanken und

Wahrnehmungen zuentwickeln.

Woran erkenne Sie,

dass dies erfolgreich

gelungen ist?

Der letzte Klient kam und

begrüsste mich mit einem

unsicheren und schlaffen

Händedruck. Wie er ging,

schaute er mir direkt ins

Gesicht, drückte kräftig

meine Hand und sagte

einen Satz, den ich zum

Glück oft höre:

„Ich weiß nicht, wie sie es

gemacht haben, aber ich

bin jetzt ein neuer

Mensch!“

Danke für das

Interview!

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